Eine Geschichte vom „Raus aus der Komfortzone“ – Projekt

Ich bin ein „Angestellter-Typ“, gehöre zur älteren Generation und bin in Osteuropa aufgewachsen, wo ein Unternehmer damals ein bisschen „anders“, als ein „anständiger Mensch im Angestelltenstatus“ war.

peter-holzer-schmerz-kopieEin „anständiger Mensch” steht mit dem Wecker um 6:00 Uhr auf, trinkt seinen Kaffee, macht die gewöhnliche Morgenroutine, bevor er zur Arbeit geht. Er zieht täglich 8 bis 10 Stunden am Arbeitsort durch und nimmt noch ein bisschen Arbeit mit nach Hause (die Überstunden werden sowieso nicht bezahlt), dann kommt die alltägliche Abendroutine. Ein „anständiger Mann” lebte so.

Ich war schon zweimal Unternehmerin, habe sehr viel (zu viel) gearbeitet, trotzdem komfortzone_1habe ich gar nichts verdient, nur investiert. Ich habe mich nicht so sozialisiert, um es so leicht zu machen.

Aber ich bin eine Migrantin (sorry! – eine Deutsche mit Migrationshintergrund) mit etwas begrenzten Sprachkenntnissen und mit einem solchen akademischen Beruf, bei dem die Sprache das wichtigste Arbeitsinstrument ist…

Ich habe ganz lustige Ratschläge von einem Expat-Coach aus Ungarn bekommen, was ich in Deutschland arbeiten sollte – leider hat sie nie in Deutschland gelebt und kennt den deutschen Arbeitsmarkt absolut nicht. Es ist nicht so einfach… Aber ich bin kreatív und habe keine Angst vor Herausforderungen!

4b689d_fb18e5ec399c45f08bafcd3a33aa50fbIm Jahr 2015 habe ich an einem Coaching namens „Raus aus der Komfortzone” teilgenommen. Es war echt super, mit einem total authentischen und glaubwürdigen Coach. Ich habe dort auch fachlich sehr viel gelernt und viele positive Rückmeldungen bekommen. Ich konnte (sollte) mir überlegen, was für mich wirklich wichtig ist, in welche Richtung meine vertraulichen Träume gehen sollten. Es war eine tiefe, innerliche Arbeit und ich habe rausgefunden, dass ich eher mit meinen Händen, als mit Worten arbeiten möchte. Ich habe mein altes Hobby „ins Leben gerufen”: Decoupage. Ich habe schon mit meinen geistlichen Augen meinen eigenen Bastelladen gesehen.

Decoupage heißt nicht einfach „Serviettentechnik”. In Italien, in der Slowakei, in Frankreich, in Ungarn machen die Frauen dieses Werk auf ganz hohem Niveau, mit vielen feinen, speziellen Materialien, die man hier in Deutschland nicht einmal kaufen kann. Ich habe mich durch das Internet weitergebildet und habe die teueren, speziellen Materialien in Ungarn oder im Internet aus der Slowakei gekauft. Hier in Deutschland konnte ich nur die ’crackle medium’ und die teuren Acrylfarben hoher Qualität in einem Bastelladen erwerben.

Und ich habe angefangen zu arbeiten: mit Holz, Glas, Porzellan, Stein, Reispapier, Decoupage-Papier, Crackle-Technik mit zweikomponenten-crackle, fineline-crackle varnis, usw.

Ich habe eine Domain gekauft und selber eine anspruchsvolle Webseite erarbeitet und zusätzlich auch ein Facebook-Profil erstellt.

Decoupage (1 (2)Ich versuchte, für meine Werke zu werben, zu verkaufen und Kurse zu organisieren.

Na ja… die Kurse… „Bitte natürlich kostenlos und ehrenamtlich – wenn möglich…”

Über meine Werke habe ich folgende Rückmeldungen erhalten:

  1. In Ungarn: „Oh, solche Sachen kann ich auch!” – und wir haben uns plötzlich nicht über meine, sondern über die Werke des Gesprächspartners unterhalten… Toll, oder…?
  2. In Deutschland: „Oh ja, es ist sehr schön. Kannst Du mir das zeigen und beibringen, wie ich solche Sachen auch selbst machen kann? Hast Du Lust einen Kurs für Decoupage zu machen? Natürlich gratis, einfach nur so…”

Innerhalb von fast drei Jahren habe ich insgesammt ein einziges Stück (eine Teebox) verkauft! Was mache ich falsch?

Ich habe recherchiert, welche Art die Leute hier mögen. …und es ist ganz einfach: „Nimm mal eine Holzbox, kurz und schnell mit blauem Acryl bemalen, ein bisschen zurückschmirgeln – und fertig. Künstlerisch und wunderschön.”

Im Gegensatz dazu mache ich meine komplizierten, anspruchsvollen Stücke tagelang…

Decoupage (1 (37)Am 25. Mai 2018 ist wieder einmal ein neues Datenschutzgesetz in Kraft getreten. Meine Webseite wurde für mich „gefärlich”, obwohl es keine gewerbliche Webseite war. Ich habe sie sicherheitshalber geschlossen. Die „Meisterwerke” von mir habe ich zusammengepackt und in der Tiefe einer Kiste einfach verschwinden lassen… Es sind viele Stücke, die meine Familie und Freunde als Geschenk bewahren. Das ist mir genug. Ich habe noch immer viel von den teueren Grundstoffen, die sich zu verarbeiten lohnen – irgendwann einmal…

Decoupage (1 (0)

Ein Punkt von der Liste „Raus aus der Komfortzone” wurde abgehakt!

Decoupage (1 (98)Ich habe noch Ideen. Na ja, nicht mehr viele, aber es gibt noch welche. Ich mag die Herausforderungen und ich bin eine „Meisterin des Neuanfangens“, bla, bla, bla und

think-outside-the-box

Fragst Du, worüber die Autorin eigentlich schreiben wollte?

Über gar nichts!

Ich wollte für meine Decoupage-Werke nur ein Memento stellen. Dieser Beitrag ist der letzte und einzige geblieben, wo noch ein paar Stücke zu sehen sind.

 

 

 

 

 

 

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